Die drei Linien des Verlangens
Kapitel 10 des Buches schlägt ein eigenes Ordnungsangebot vor: Drei Linien, die sich in dem verbinden, was Menschen begehren — Sicherheit durch kontrollierte Intensität, die Flucht vor der eigenen Lebensgeschichte, und ein abgelegter Teil, der einen sicheren Rahmen sucht. Dieser Bogen mit 21 Aussagen spiegelt Ihnen, welche Linie bei Ihnen am deutlichsten hervortritt.
Hinweis: Dies ist kein diagnostisches Instrument und kein validierter Test, sondern ein Reflexionswerkzeug aus diesem Buch. Es ordnet, es diagnostiziert nicht.
Woher das Modell stammt
Für ein Drei-Faktoren-Modell dieser Art gibt es in der Kink- und Sexualforschung kein etabliertes Vorbild — das ist im Buch selbst Teil der Handlung, nicht verschwiegen. Die einzelnen Bausteine sind real und zitierfähig: Roy Baumeisters „Escape from Self"-Theorie zur Entlastung von belastender Selbstreflexion (1988), der biopsychosoziale Überblick von De Neef et al. zu den Faktoren hinter BDSM-Interessen (2019), und die Korrektur von Wismeijer & van Assen, dass BDSM-Praktizierende im Schnitt nicht durch mehr Neurotizismus gekennzeichnet sind, sondern im Schnitt höheres Wohlbefinden zeigen (2013) — eine wichtige Absage an eine reine Trauma-Erzählung. Die Verbindung dieser drei zu einem Modell ist eine eigene Setzung des Buches, nicht Forschungsstand.
- Baumeister, R. F. (1988). Masochism as Escape from Self. The Journal of Sex Research, 25(1), 28–59.
- De Neef, N., Coppens, V., Huys, W., & Morrens, M. (2019). Bondage-Discipline, Dominance-Submission and Sadomasochism (BDSM) From an Integrative Biopsychosocial Perspective: A Systematic Review. Sexual Medicine, 7(2), 129–144.
- Wismeijer, A. A. J., & van Assen, M. A. L. M. (2013). Psychological Characteristics of BDSM Practitioners. The Journal of Sexual Medicine, 10(8), 1943–1952.