[{"data":1,"prerenderedAt":172},["ShallowReactive",2],{"artikel:liste":3,"content:wie-begehren-entsteht\u002Fkonditionierung-und-grenzen":153},[4,13,19,23,27,31,36,40,44,50,54,58,62,66,70,74,79,83,87,91,95,99,103,108,112,116,120,124,128,133,137,141,145,149],{"route":5,"title":6,"description":7,"cluster":8,"type":9,"status":10,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fbindungsstile\u002Fbindung-und-sexualitaet","Bindung und Sexualität: Was der Bindungsstil über Sex aussagt — und was nicht","Unsichere Bindung verändert nicht, was Menschen begehren, sondern wozu sie Sex benutzen. Was die Forschung zeigt, mit Studien und Jahreszahlen.","A","speiche","geprüft","T1","2026-08-28",{"route":14,"title":15,"description":16,"cluster":8,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile\u002Fbindung-und-sexualpraktiken","Bindungsstil und Sexualpraktiken: Was die Forschung misst — und was nicht","Bindungsangst und -vermeidung sagen etwas über sexuelle Zufriedenheit, Häufigkeit und Kommunikation. Über einzelne Praktiken sagen sie nichts.","live","2026-08-29",{"route":20,"title":21,"description":22,"cluster":8,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile\u002Fbindungsstil-aendern","Kann sich ein Bindungsstil ändern? Was die Längsschnittforschung zeigt","Bindungssicherheit ist mäßig stabil, nicht festgelegt. Was Längsschnittstudien über Alter, Therapie und die sogenannte erarbeitete Sicherheit zeigen.",{"route":24,"title":25,"description":26,"cluster":8,"type":9,"status":10,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fbindungsstile\u002Fdie-vier-bindungsstile","Die vier Bindungsstile — und warum die Forschung sie nicht als Typen führt","Sicher, ängstlich, vermeidend, ängstlich-vermeidend: woher die vier Stile kommen, wie sie gemessen werden und warum sie keine Persönlichkeitstypen sind.",{"route":28,"title":29,"description":30,"cluster":8,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile\u002Fdurchsetzungsfaehigkeit","Bindungssicherheit und Durchsetzungsfähigkeit: was belegt ist und was nicht","Ob sichere Bindung durchsetzungsfähiger macht, ist schwächer belegt, als es klingt. Was die Forschung tatsächlich misst, mit Studien und Jahreszahlen.",{"route":32,"title":33,"description":34,"cluster":8,"type":35,"status":10,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile","Bindungsstile: Was die Forschung wirklich sagt","Woher die vier Bindungsstile stammen, was Bowlby und Ainsworth tatsächlich gezeigt haben — und warum die Forschung heute von Skalen spricht statt von Typen.","pfeiler",{"route":37,"title":38,"description":39,"cluster":8,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile\u002Fsexuelle-wuensche-aeussern","Sexuelle Wünsche äußern — und warum es manchen Menschen schwerer fällt","Warum manche Menschen sexuelle Wünsche kaum aussprechen: was drei Studien zu Bindung und sexueller Kommunikation zeigen — und wo sie sich widersprechen",{"route":41,"title":42,"description":43,"cluster":8,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile\u002Fwas-bindungstests-leisten","Was Bindungstests leisten: Selbstauskunft und das Interview im Vergleich","Selbstauskunftstests und das Adult Attachment Interview überschneiden sich kaum. Was jedes der beiden Verfahren misst — und was daraus folgt.",{"route":45,"title":46,"description":47,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Ffoucaults-ars-erotica","Foucaults ars erotica — hält die Zuschreibung an die arabische Welt historisch stand?","Foucault zählte „arabo-moslemische Gesellschaften\" zur ars erotica – ohne Beleg. Was die arabische Liebesliteratur zeigt, und was Kritik daran einwendet.","E","T4",{"route":51,"title":52,"description":53,"cluster":48,"type":35,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet","Was im Westen ‚Tantra' heißt — und was Tantra tatsächlich war","Was hierzulande als Tantra gilt, ist eine Erfindung der 1960er Jahre. Das historische Tantra war etwas anderes — sexuelles Ritual war darin nicht die Mitte.",{"route":55,"title":56,"description":57,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Frechter-und-linker-weg","Der 'linke Weg' im Tantra — Verehrung der Frau oder ihre Instrumentalisierung?","Dakṣiṇācāra und Vāmācāra sind mehr als rechts und links. Was die Forschung zur Frauenrolle im „linken Weg\" fand – und was offenbleibt.",{"route":59,"title":60,"description":61,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":12},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Frussischer-eros","Der russische Eros — warum Russlands Sexualkultur als eigener Sonderweg gilt","Der russische Eros ist keine Volkscharakter-Eigenschaft, sondern eine Diskursgeschichte wiederholter Zyklen von Öffnung und staatlicher Kontrolle.",{"route":63,"title":64,"description":65,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Fsamenerhalt","Samenerhalt — die taoistische Lehre und was von ihr trägt","Die taoistische Lehre vom Samenerhalt trennt Orgasmus und Samenerguss – real. Ihre Heilsversprechen wie Langlebigkeit sind es nicht. Was belegt ist.",{"route":67,"title":68,"description":69,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Ftaoistische-kunst-der-schlafgemaecher","Die Kunst der Schlafgemächer — was fangzhong shu wirklich war","Fangzhong shu galt als „chinesisches Kamasutra\". Tatsächlich war es eine Gesundheitslehre, die Sex der Kultivierung unterordnete, nicht dem Genuss.",{"route":71,"title":72,"description":73,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Fvan-gulik","Robert van Gulik — wie das Wissen über Chinas Sexualkultur in den Westen kam","Ein niederländischer Diplomat schrieb 1961 das erste westliche Standardwerk zur Sexualgeschichte Chinas – und prägte damit auch Foucaults „ars erotica\".",{"route":75,"title":76,"description":77,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Fasexualitaet","Asexualität: Was sie ist – und was sie nicht ist","Asexualität heißt fehlende sexuelle Anziehung, nicht fehlendes Verlangen. Was das Ace-Spektrum umfasst und warum es keine Diagnose ist.","F",{"route":80,"title":81,"description":82,"cluster":78,"type":35,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham","Wann ist eine sexuelle Vorliebe ein Problem? Die Antwort der Diagnosesysteme","Nicht der Inhalt einer Vorliebe entscheidet darüber, ob sie klinisch bedeutsam ist, sondern zwei andere Kriterien. Was DSM-5 und ICD-11 tatsächlich verlangen.",{"route":84,"title":85,"description":86,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Fscham-nach-einer-fantasie","Scham nach einer sexuellen Fantasie: Was sie bedeutet – und was nicht","Eine beunruhigende Fantasie erfüllt für sich kein Diagnosekriterium. Was sexuelle Scham danach auslöst – und woher sie kommt.",{"route":88,"title":89,"description":90,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Fsexuelle-skripte","Sexuelle Skripte: Warum Begehren einem Muster folgt","Gagnon und Simon erklärten sexuelles Verhalten 1973 über drei Ebenen erlernter Skripte – nicht als biologischen Trieb. Was das Modell trägt.",{"route":92,"title":93,"description":94,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Ftrauma-und-sexualitaet","Trauma und Sexualität: Was die Forschung zeigt – und wo sie unsicher bleibt","Große Stichproben finden keinen generellen Zusammenhang zwischen Kindheitstrauma und bestimmten sexuellen Vorlieben. Was einzelne Studien trotzdem zeigen.",{"route":96,"title":97,"description":98,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Funterdrueckung-schadet","Schadet Unterdrückung häufiger als die Vorliebe selbst?","Verstecken und Selbststigma hängen mit mehr Angst und Depression zusammen als die Vorliebe selbst. Was das Minoritätenstress-Modell zeigt.",{"route":100,"title":101,"description":102,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Fvorliebe-und-stoerung","Vorliebe oder Störung? Was die Diagnosekriterien im Einzelnen verlangen","Kriterium B ist nur die halbe Antwort. DSM-5 und die ICD-11-Arbeitsgruppe ordnen sexuelle Vorlieben nach zwei verschiedenen Logiken.",{"route":104,"title":105,"description":106,"cluster":107,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fschattenarbeit\u002Ffreuds-trieblehre-heute","Freuds Trieblehre heute — was von den Drei Abhandlungen trägt","Das Stufenmodell oral–anal–phallisch stammt nicht aus 1905. Wie Freuds Theorie über zwanzig Jahre gewachsen ist — und was davon heute noch Bestand hat.","B",{"route":109,"title":110,"description":111,"cluster":107,"type":35,"status":17,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fschattenarbeit","Schattenarbeit: was C. G. Jung wirklich gemeint hat","Der Schatten ist bei Jung nicht die dunkle Seite und nicht das Böse, sondern etwas deutlich Unbequemeres. Was im Original steht — und was die Belege hergeben.",{"route":113,"title":114,"description":115,"cluster":107,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fschattenarbeit\u002Findividuation","Individuation bei C. G. Jung — was der Begriff bedeutet und was nicht","Individuation ist bei Jung ein lebenslanger Prozess, kein Zustand und keine Selbstverwirklichung. Was der Begriff meint — und wo die Belege enden.",{"route":117,"title":118,"description":119,"cluster":107,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fschattenarbeit\u002Fschattenarbeit-im-netz","Schattenarbeit im Netz — was das Wort dort bedeutet und was nicht","Journaling-Listen, 30-Tage-Programme: Was online Schattenarbeit heißt, teilt mit Jung oft nur den Namen. Was trotzdem helfen kann — und was unbelegt ist.",{"route":121,"title":122,"description":123,"status":10,"updated":12},"\u002Fseiten\u002Finhaltsverzeichnis","Inhalt","Vier Teile, zwölf Kapitel: die Gliederung von „Der Schatten des Begehrens\".",{"route":125,"title":126,"description":127,"status":10,"updated":12},"\u002Fseiten\u002Fueber-das-buch","Über das Buch","Entstehung, Quellenarbeit und Haltung hinter „Der Schatten des Begehrens\" — ein narratives Sachbuch über Tiefenpsychologie, Kulturgeschichte und Sexualität.",{"route":129,"title":130,"description":131,"cluster":132,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Ferregung-und-verlangen","Sind Erregung und Verlangen dasselbe? Zwei Modelle, ein Unterschied","Erregung ist eine Reaktion, Verlangen ein Bedürfnis — beide können unabhängig auftreten. Was Bassons zirkuläres Modell und das Dual-Control-Modell zeigen.","C",{"route":134,"title":135,"description":136,"cluster":132,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Ferregungsdiskordanz","Erregungsdiskordanz: Wenn der Körper reagiert, ohne dass jemand erregt sein will","Körper und Erleben fallen nicht immer zusammen — bei Frauen im Mittel seltener als bei Männern. Und eine körperliche Reaktion ist kein Zeichen von Zustimmung.",{"route":138,"title":139,"description":140,"cluster":132,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Ffetisch-vorliebe-stoerung","Fetisch, Vorliebe, Störung — wo verläuft die Grenze wirklich?","Ein Fetisch ist keine Diagnose. Was das DSM-5 zusätzlich verlangt, damit daraus eine fetischistische Störung wird — und was die ICD-11 dazu sagt.",{"route":142,"title":143,"description":144,"cluster":132,"type":35,"status":17,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fwie-begehren-entsteht","Wie entsteht ein Fetisch? Vier Erklärungsmodelle und was sie taugen","Kopplung, Übergangsobjekt, Bindung, Kulturgeschichte: Vier Modelle erklären, wie eine Vorliebe entsteht — keines davon, warum ausgerechnet dieses Objekt.",{"route":146,"title":147,"description":148,"cluster":132,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Fkonditionierung-und-grenzen","Wie Konditionierung eine sexuelle Vorliebe formen kann — und wo das Modell endet","Ein neutraler Reiz kann durch Kopplung mit Erregung selbst erregend werden, zeigte Rachmans Experiment 1966. Warum das den Einzelfall trotzdem nicht erklärt.",{"route":150,"title":151,"description":152,"cluster":132,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Fwinnicotts-uebergangsobjekt","Winnicotts Übergangsobjekt — was ein Kuscheltier mit einem Fetisch zu tun hat","Warum der Teddybär eines Kindes und ein Fetisch aus derselben Theorie stammen — und was Winnicott damit ausdrücklich nicht gemeint hat.",{"frontmatter":154,"sections":166,"html":170,"empfehlungen":171},{"title":147,"metaTitle":155,"description":148,"cluster":132,"type":9,"tuer":11,"anzeigenziel":156,"status":17,"updated":18,"citeKeys":157,"vertiefungTitel":165},"Konditionierung und sexuelle Vorlieben: die Grenzen",false,[158,159,160,161,162,163,164],"rachman1966","binet1887","rachmanhodgson1968","mcguire1965","akins2004","hoffmann2004","apa2013","Vertiefung — Methodik, Reichweite und die Verwechslung mit Prägung",{"snippet":167,"kurzfassung":168,"vertiefung":169},"\u003Cp>Ja, aber nur teilweise: Klassische Konditionierung kann eine sexuelle Reaktion an einen zuvor\nneutralen Reiz koppeln — ein Experiment von Stanley Rachman zeigte das 1966 an drei\nVersuchspersonen\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">1\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>. Das Modell erklärt, dass eine solche Kopplung entstehen\nkann, nicht aber, warum ausgerechnet dieser eine Reiz wirkt und nicht die vielen anderen, die im\nselben Moment ebenfalls anwesend waren.\u003C\u002Fp>\n","\u003Cp>Wenn Sie sich fragen, ob Sie sich eine Vorliebe „antrainiert&quot; haben — durch einen Zufall, eine\nSituation, eine Wiederholung —, ist Konditionierung das Wort, auf das Sie stoßen. Es ist auch das\nälteste Erklärungsmodell in diesem Feld, und es ist tatsächlich das am besten geprüfte. Was es\nträgt und was nicht, lässt sich inzwischen recht genau sagen.\u003C\u002Fp>\n\u003Cp>Vorab die Einordnung, die zu jedem Artikel dieses Clusters gehört: Eine sexuelle Vorliebe ist\nkeine Diagnose. Die klinische Kategorie heißt fetischistische Störung und verlangt zusätzlich\nerheblichen Leidensdruck oder eine Beeinträchtigung\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">7\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>. Dieser Artikel handelt\nvon einem Mechanismus, nicht von einem Krankheitsbild.\u003C\u002Fp>\n\u003Ch3>Was meint Konditionierung in diesem Zusammenhang genau?\u003C\u002Fh3>\n\u003Cp>Den Begriff „Fétichisme&quot; prägte 1887 der französische Psychologe Alfred Binet für die\nSexualwissenschaft. Seine Erklärung war denkbar einfach: Ein an sich neutraler Gegenstand fällt\nzeitlich mit sexueller Erregung zusammen und bleibt danach mit ihr verknüpft — eine zufällige\nPaarung, keine Wahl\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">2\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>. Binet unterschied dabei bereits einen „petit\nfétichisme&quot;, den er für eine normale Vorliebe für Details hielt, von einem „grand fétichisme&quot;,\nbei dem ein einzelnes Detail alle anderen Aspekte verdrängt.\u003C\u002Fp>\n\u003Cp>Das ist eine Theorie, keine Beobachtung. Getestet wurde sie fast achtzig Jahre später.\u003C\u002Fp>\n\u003Ch3>Was hat Rachmans Experiment 1966 tatsächlich gezeigt?\u003C\u002Fh3>\n\u003Cp>Stanley Rachman zeigte drei männlichen Versuchspersonen wiederholt das Bild eines Stiefelpaars,\nunmittelbar bevor er ihnen erregende Aktaufnahmen zeigte. Nach 30, 65 beziehungsweise 24\nDurchgängen reagierten alle drei bereits auf das Stiefelbild allein mit einer messbaren sexuellen\nReaktion — ein klassisches Konditionierungsschema, aus der Lernpsychologie auf sexuelle Erregung\nübertragen\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">1\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>. Rachman zeigte in derselben Versuchsreihe auch, dass sich die\nReaktion wieder löschen ließ, wenn der Stiefel danach wiederholt allein gezeigt wurde, und dass sie\nnach einer Pause teilweise von selbst zurückkehrte — beides Kennzeichen, die man von klassischer\nKonditionierung erwartet und die dafür sprechen, dass hier tatsächlich derselbe Lernmechanismus am\nWerk war wie in anderen Bereichen des Verhaltens.\u003C\u002Fp>\n\u003Cp>Eine Replikation von 1968 wiederholte den Versuch und kontrollierte zusätzlich dafür, dass die\nReaktion nicht einfach durch wiederholte Reizdarbietung allein entsteht (Pseudokonditionierung),\nsondern tatsächlich an die Kopplung mit dem erregenden Reiz gebunden ist\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">3\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>.\u003C\u002Fp>\n\u003Cp>Das ist ein Machbarkeitsnachweis: Er zeigt, dass sich eine solche Kopplung im Labor herstellen\nlässt. Er zeigt nicht, dass sexuelle Vorlieben im Leben so entstehen — und schon gar nicht, dass sie\nausschließlich so entstehen.\u003C\u002Fp>\n\u003Ch3>Welche Rolle spielt wiederholte Fantasie?\u003C\u002Fh3>\n\u003Cp>Eine Ergänzung zum reinen Reiz-Reaktions-Modell kam aus der klinischen Beobachtung: Das\nursprüngliche Erlebnis muss gar nicht besonders erregend gewesen sein. Die Erregung kann sich erst\nüber viele Wiederholungen der Erinnerung daran aufbauen, etwa im Zuge wiederholter Masturbation zu\nderselben Fantasie\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">4\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>. Das verschiebt die Erklärung von einem einzelnen\nSchlüsselmoment hin zu einem Prozess, der sich über Zeit selbst verstärkt — und es macht die Suche\nnach „dem einen Erlebnis&quot;, das eine Vorliebe angeblich auslöst, von vornherein aussichtslos: Es\nmuss keines gegeben haben.\u003C\u002Fp>\n\u003Ch3>Ist das dasselbe wie Prägung?\u003C\u002Fh3>\n\u003Cp>Nein, und die Verwechslung ist verbreitet, weil beide Wörter im Alltag ähnlich benutzt werden.\nPrägung im engeren, ethologischen Sinn bezeichnet eine Festlegung innerhalb eines biologisch\nvorgegebenen, meist sehr frühen Zeitfensters, wie sie klassisch bei Tieren beschrieben ist.\nKonditionierung dagegen ist ein allgemeiner Lernmechanismus, der lebenslang möglich bleibt und\nkeine feste Frist kennt. Für eine Prägung sexueller Vorlieben beim Menschen im ethologischen Sinn\nließ sich in diesem Projekt keine peer-reviewte Primärstudie finden — die Behauptung kursiert,\nweil sie wissenschaftlich klingt, nicht weil sie belegt ist. Was stattdessen an Grenzen des\nKonditionierungsmodells insgesamt offen ist, steht ausführlicher im\n\u003Ca href=\"\u002Fwie-begehren-entsteht\">Pfeiler-Artikel zu den vier Erklärungsmodellen\u003C\u002Fa>.\u003C\u002Fp>\n\u003Ch3>Wie belastbar ist die Forschung beim Menschen insgesamt?\u003C\u002Fh3>\n\u003Cp>Dünner, als die Klarheit des Rachman-Experiments vermuten lässt. Ein Überblicksartikel von 2004\nhält ausdrücklich fest, dass die Verhaltenstherapie-Literatur reich an Fallberichten ist, während\ndie kontrollierte empirische Forschung am Menschen begrenzt und methodisch anfällig\nbleibt\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">5\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>. Robuster sind die Befunde aus der Tierforschung — mit dem\nbekannten Problem, dass sich tierisches Lernverhalten nicht ohne Weiteres auf menschliches\nErleben übertragen lässt.\u003C\u002Fp>\n\u003Cp>Eine experimentelle Studie von 2004 hat Konditionierungseffekte direkt an Frauen und Männern\nuntersucht und fand sie bei beiden Geschlechtern nachweisbar — aber deutlich weniger robust als in\nden Tierversuchen\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">6\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>.\u003C\u002Fp>\n\u003Ch3>Wo hört das Modell als Erklärung auf?\u003C\u002Fh3>\n\u003Cp>An genau der Stelle, an der die Frage vom Allgemeinen zum Einzelfall wechselt. Konditionierung\nerklärt, \u003Cstrong>dass\u003C\u002Fstrong> eine Kopplung zwischen einem Reiz und sexueller Erregung entstehen kann. Sie\nerklärt nicht, warum bei einem bestimmten Menschen ausgerechnet dieser eine Reiz gekoppelt wurde\nund nicht die unzähligen anderen Reize, die im selben Moment ebenfalls anwesend waren — ein Geruch,\nein Geräusch, ein anderes Kleidungsstück. Als vollständige Erklärung trägt das Modell deshalb\nnicht; moderne Darstellungen führen Konditionierung als einen von mehreren möglichen Faktoren in\neinem größeren Zusammenspiel, nicht als alleinige Ursache.\u003C\u002Fp>\n","\u003Cp>\u003Cstrong>Was das Rachman-Experiment methodisch nicht leisten kann.\u003C\u002Fstrong> Drei Versuchspersonen, alle\nmännlich, ein einziger Reiztyp, gemessen wurde eine periphere körperliche Reaktion, keine\nsubjektive Bewertung\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">1\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>. Eine Stichprobe dieser Größe erlaubt keine Aussage\ndarüber, wie häufig ein solcher Mechanismus außerhalb des Labors tatsächlich zum Tragen kommt.\nOb eine gemessene körperliche Reaktion überhaupt dasselbe ist wie das, was jemand subjektiv als\nErregung oder Verlangen erlebt, ist eine eigene Frage — dazu mehr in der Speiche über\n\u003Ca href=\"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Ferregung-und-verlangen\">Erregung und Verlangen\u003C\u002Fa>.\u003C\u002Fp>\n\u003Cp>\u003Cstrong>Warum die Fallberichte der klinischen Literatur nicht dasselbe Gewicht haben wie ein\nExperiment.\u003C\u002Fstrong> Ein Fallbericht beschreibt, dass jemand eine bestimmte Lerngeschichte erinnert und\nschildert. Er zeigt nicht, dass diese Geschichte die tatsächliche Ursache ist — Erinnerungen an die\neigene Vergangenheit werden im Nachhinein geordnet, und eine plausible Geschichte ist nicht\nautomatisch eine zutreffende. Das ist der Grund, warum Akins 2004 kontrollierte Experimente höher\ngewichtet als die zahlenmäßig viel umfangreichere Fallliteratur\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">5\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>.\u003C\u002Fp>\n\u003Cp>\u003Cstrong>Was dieser Artikel nicht behauptet.\u003C\u002Fstrong> Er behauptet nicht, dass Konditionierung unwichtig sei —\ndas Gegenteil ist der Fall, es ist das am besten experimentell abgesicherte der vier Modelle, die\nder Pfeiler-Artikel vorstellt. Er behauptet nur, dass sie allein nicht ausreicht, um zu erklären,\nwarum ein bestimmter Mensch eine bestimmte Vorliebe entwickelt. Die drei anderen Modelle —\nÜbergangsobjekt, Bindung, Kulturgeschichte des Begriffs — setzen an derselben Lücke an, aus\nverschiedenen Richtungen.\u003C\u002Fp>\n\u003Chr>\n\u003Cp>Wie sich eine bestehende Vorliebe von einer diagnostizierbaren Störung unterscheidet, steht in der\nSpeiche \u003Ca href=\"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Ffetisch-vorliebe-stoerung\">Fetisch, Vorliebe, Störung\u003C\u002Fa>. Wer wissen\nmöchte, welche der drei im Buch beschriebenen Linien des Verlangens bei ihr oder ihm die tragende\nist, findet im \u003Ca href=\"\u002Fselbsttest\">Selbstauskunftsbogen\u003C\u002Fa> einen zwölfminütigen Einstieg — ohne\nDiagnose und ohne gespeicherte Antworten.\u003C\u002Fp>\n\u003Col id=\"quellen\">\n\u003Cli>Rachman, S. (1966). Sexual Fetishism: An Experimental Analogue. \u003Cem>The Psychological Record\u003C\u002Fem> 16, S. 293–296. — drei Versuchspersonen; Kriterium fünf aufeinanderfolgender Reaktionen erreicht nach 30, 65 und 24 Durchgängen; Extinktion und teilweise Spontanerholung im selben Versuch dokumentiert.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>Binet, A. (1887). Le fétichisme dans l'amour. \u003Cem>Revue Philosophique\u003C\u002Fem> 24, S. 143–167 und 252–274. — Einführung des Begriffs für die Sexualwissenschaft; Erklärung über zufällige Verknüpfung; Unterscheidung „petit\"\u002F„grand fétichisme\". Bibliografisch verifiziert; Thesen über Sekundärliteratur bestätigt, Originaltext nicht vollständig eingesehen.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>Rachman, S., &amp; Hodgson, R. J. (1968). Experimentally-Induced „Sexual Fetishism\": Replication and Development. \u003Cem>The Psychological Record\u003C\u002Fem> 18, S. 25–27. — Replikation mit Kontrolle für Pseudokonditionierung.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>McGuire, R. J., Carlisle, J. M., &amp; Young, B. G. Sexual Deviations as Conditioned Behaviour. \u003Cem>Behaviour Research and Therapy\u003C\u002Fem> 2(2–4), S. 185–190. — Rolle wiederholter Masturbationsfantasie beim Aufbau der Erregung. \u003Cstrong>Vorbehalt zur Jahreszahl:\u003C\u002Fstrong> teils 1964, teils 1965 zitiert; die DOI-Zuordnung spricht für 1964, die verbreitete Zitierpraxis für 1965. Das Original wurde nicht eingesehen, deshalb steht hier bewusst keine Jahreszahl im Fließtext.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>Akins, C. K. (2004). The Role of Pavlovian Conditioning in Sexual Behavior: A Comparative Analysis of Human and Nonhuman Animals. \u003Cem>International Journal of Comparative Psychology\u003C\u002Fem> 17(2), S. 241–262. — Überblick; menschliche empirische Forschung limitiert und methodisch anfällig, robustere Befunde aus der Tierforschung.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>Hoffmann, H., Janssen, E., &amp; Turner, S. L. (2004). Classical Conditioning of Sexual Arousal in Women and Men: Effects of Varying Awareness and Biological Relevance of the Conditioned Stimulus. \u003Cem>Archives of Sexual Behavior\u003C\u002Fem> 33(1), S. 43–53. — Konditionierungseffekte bei Frauen und Männern nachweisbar, weniger robust als bei Tieren.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>American Psychiatric Association (2013). \u003Cem>Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders\u003C\u002Fem>, 5. Aufl. American Psychiatric Publishing, Arlington. — Kapitel „Paraphilic Disorders\": Kriterium B (klinisch bedeutsamer Leidensdruck oder Beeinträchtigung) trennt eine Vorliebe von einer Störung.\u003C\u002Fli>\n\u003C\u002Fol>","",[],1789551435727]