[{"data":1,"prerenderedAt":168},["ShallowReactive",2],{"artikel:liste":3,"content:normalitaet-und-scham\u002Fsexuelle-skripte":153},[4,13,19,23,27,31,36,40,44,50,54,58,62,66,70,74,79,83,87,91,95,99,103,108,112,116,120,124,128,133,137,141,145,149],{"route":5,"title":6,"description":7,"cluster":8,"type":9,"status":10,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fbindungsstile\u002Fbindung-und-sexualitaet","Bindung und Sexualität: Was der Bindungsstil über Sex aussagt — und was nicht","Unsichere Bindung verändert nicht, was Menschen begehren, sondern wozu sie Sex benutzen. Was die Forschung zeigt, mit Studien und Jahreszahlen.","A","speiche","geprüft","T1","2026-08-28",{"route":14,"title":15,"description":16,"cluster":8,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile\u002Fbindung-und-sexualpraktiken","Bindungsstil und Sexualpraktiken: Was die Forschung misst — und was nicht","Bindungsangst und -vermeidung sagen etwas über sexuelle Zufriedenheit, Häufigkeit und Kommunikation. Über einzelne Praktiken sagen sie nichts.","live","2026-08-29",{"route":20,"title":21,"description":22,"cluster":8,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile\u002Fbindungsstil-aendern","Kann sich ein Bindungsstil ändern? Was die Längsschnittforschung zeigt","Bindungssicherheit ist mäßig stabil, nicht festgelegt. Was Längsschnittstudien über Alter, Therapie und die sogenannte erarbeitete Sicherheit zeigen.",{"route":24,"title":25,"description":26,"cluster":8,"type":9,"status":10,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fbindungsstile\u002Fdie-vier-bindungsstile","Die vier Bindungsstile — und warum die Forschung sie nicht als Typen führt","Sicher, ängstlich, vermeidend, ängstlich-vermeidend: woher die vier Stile kommen, wie sie gemessen werden und warum sie keine Persönlichkeitstypen sind.",{"route":28,"title":29,"description":30,"cluster":8,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile\u002Fdurchsetzungsfaehigkeit","Bindungssicherheit und Durchsetzungsfähigkeit: was belegt ist und was nicht","Ob sichere Bindung durchsetzungsfähiger macht, ist schwächer belegt, als es klingt. Was die Forschung tatsächlich misst, mit Studien und Jahreszahlen.",{"route":32,"title":33,"description":34,"cluster":8,"type":35,"status":10,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile","Bindungsstile: Was die Forschung wirklich sagt","Woher die vier Bindungsstile stammen, was Bowlby und Ainsworth tatsächlich gezeigt haben — und warum die Forschung heute von Skalen spricht statt von Typen.","pfeiler",{"route":37,"title":38,"description":39,"cluster":8,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile\u002Fsexuelle-wuensche-aeussern","Sexuelle Wünsche äußern — und warum es manchen Menschen schwerer fällt","Warum manche Menschen sexuelle Wünsche kaum aussprechen: was drei Studien zu Bindung und sexueller Kommunikation zeigen — und wo sie sich widersprechen",{"route":41,"title":42,"description":43,"cluster":8,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile\u002Fwas-bindungstests-leisten","Was Bindungstests leisten: Selbstauskunft und das Interview im Vergleich","Selbstauskunftstests und das Adult Attachment Interview überschneiden sich kaum. Was jedes der beiden Verfahren misst — und was daraus folgt.",{"route":45,"title":46,"description":47,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Ffoucaults-ars-erotica","Foucaults ars erotica — hält die Zuschreibung an die arabische Welt historisch stand?","Foucault zählte „arabo-moslemische Gesellschaften\" zur ars erotica – ohne Beleg. Was die arabische Liebesliteratur zeigt, und was Kritik daran einwendet.","E","T4",{"route":51,"title":52,"description":53,"cluster":48,"type":35,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet","Was im Westen ‚Tantra' heißt — und was Tantra tatsächlich war","Was hierzulande als Tantra gilt, ist eine Erfindung der 1960er Jahre. Das historische Tantra war etwas anderes — sexuelles Ritual war darin nicht die Mitte.",{"route":55,"title":56,"description":57,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Frechter-und-linker-weg","Der 'linke Weg' im Tantra — Verehrung der Frau oder ihre Instrumentalisierung?","Dakṣiṇācāra und Vāmācāra sind mehr als rechts und links. Was die Forschung zur Frauenrolle im „linken Weg\" fand – und was offenbleibt.",{"route":59,"title":60,"description":61,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":12},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Frussischer-eros","Der russische Eros — warum Russlands Sexualkultur als eigener Sonderweg gilt","Der russische Eros ist keine Volkscharakter-Eigenschaft, sondern eine Diskursgeschichte wiederholter Zyklen von Öffnung und staatlicher Kontrolle.",{"route":63,"title":64,"description":65,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Fsamenerhalt","Samenerhalt — die taoistische Lehre und was von ihr trägt","Die taoistische Lehre vom Samenerhalt trennt Orgasmus und Samenerguss – real. Ihre Heilsversprechen wie Langlebigkeit sind es nicht. Was belegt ist.",{"route":67,"title":68,"description":69,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Ftaoistische-kunst-der-schlafgemaecher","Die Kunst der Schlafgemächer — was fangzhong shu wirklich war","Fangzhong shu galt als „chinesisches Kamasutra\". Tatsächlich war es eine Gesundheitslehre, die Sex der Kultivierung unterordnete, nicht dem Genuss.",{"route":71,"title":72,"description":73,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Fvan-gulik","Robert van Gulik — wie das Wissen über Chinas Sexualkultur in den Westen kam","Ein niederländischer Diplomat schrieb 1961 das erste westliche Standardwerk zur Sexualgeschichte Chinas – und prägte damit auch Foucaults „ars erotica\".",{"route":75,"title":76,"description":77,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Fasexualitaet","Asexualität: Was sie ist – und was sie nicht ist","Asexualität heißt fehlende sexuelle Anziehung, nicht fehlendes Verlangen. Was das Ace-Spektrum umfasst und warum es keine Diagnose ist.","F",{"route":80,"title":81,"description":82,"cluster":78,"type":35,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham","Wann ist eine sexuelle Vorliebe ein Problem? Die Antwort der Diagnosesysteme","Nicht der Inhalt einer Vorliebe entscheidet darüber, ob sie klinisch bedeutsam ist, sondern zwei andere Kriterien. Was DSM-5 und ICD-11 tatsächlich verlangen.",{"route":84,"title":85,"description":86,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Fscham-nach-einer-fantasie","Scham nach einer sexuellen Fantasie: Was sie bedeutet – und was nicht","Eine beunruhigende Fantasie erfüllt für sich kein Diagnosekriterium. Was sexuelle Scham danach auslöst – und woher sie kommt.",{"route":88,"title":89,"description":90,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Fsexuelle-skripte","Sexuelle Skripte: Warum Begehren einem Muster folgt","Gagnon und Simon erklärten sexuelles Verhalten 1973 über drei Ebenen erlernter Skripte – nicht als biologischen Trieb. Was das Modell trägt.",{"route":92,"title":93,"description":94,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Ftrauma-und-sexualitaet","Trauma und Sexualität: Was die Forschung zeigt – und wo sie unsicher bleibt","Große Stichproben finden keinen generellen Zusammenhang zwischen Kindheitstrauma und bestimmten sexuellen Vorlieben. Was einzelne Studien trotzdem zeigen.",{"route":96,"title":97,"description":98,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Funterdrueckung-schadet","Schadet Unterdrückung häufiger als die Vorliebe selbst?","Verstecken und Selbststigma hängen mit mehr Angst und Depression zusammen als die Vorliebe selbst. Was das Minoritätenstress-Modell zeigt.",{"route":100,"title":101,"description":102,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Fvorliebe-und-stoerung","Vorliebe oder Störung? Was die Diagnosekriterien im Einzelnen verlangen","Kriterium B ist nur die halbe Antwort. DSM-5 und die ICD-11-Arbeitsgruppe ordnen sexuelle Vorlieben nach zwei verschiedenen Logiken.",{"route":104,"title":105,"description":106,"cluster":107,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fschattenarbeit\u002Ffreuds-trieblehre-heute","Freuds Trieblehre heute — was von den Drei Abhandlungen trägt","Das Stufenmodell oral–anal–phallisch stammt nicht aus 1905. Wie Freuds Theorie über zwanzig Jahre gewachsen ist — und was davon heute noch Bestand hat.","B",{"route":109,"title":110,"description":111,"cluster":107,"type":35,"status":17,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fschattenarbeit","Schattenarbeit: was C. G. Jung wirklich gemeint hat","Der Schatten ist bei Jung nicht die dunkle Seite und nicht das Böse, sondern etwas deutlich Unbequemeres. Was im Original steht — und was die Belege hergeben.",{"route":113,"title":114,"description":115,"cluster":107,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fschattenarbeit\u002Findividuation","Individuation bei C. G. Jung — was der Begriff bedeutet und was nicht","Individuation ist bei Jung ein lebenslanger Prozess, kein Zustand und keine Selbstverwirklichung. Was der Begriff meint — und wo die Belege enden.",{"route":117,"title":118,"description":119,"cluster":107,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fschattenarbeit\u002Fschattenarbeit-im-netz","Schattenarbeit im Netz — was das Wort dort bedeutet und was nicht","Journaling-Listen, 30-Tage-Programme: Was online Schattenarbeit heißt, teilt mit Jung oft nur den Namen. Was trotzdem helfen kann — und was unbelegt ist.",{"route":121,"title":122,"description":123,"status":10,"updated":12},"\u002Fseiten\u002Finhaltsverzeichnis","Inhalt","Vier Teile, zwölf Kapitel: die Gliederung von „Der Schatten des Begehrens\".",{"route":125,"title":126,"description":127,"status":10,"updated":12},"\u002Fseiten\u002Fueber-das-buch","Über das Buch","Entstehung, Quellenarbeit und Haltung hinter „Der Schatten des Begehrens\" — ein narratives Sachbuch über Tiefenpsychologie, Kulturgeschichte und Sexualität.",{"route":129,"title":130,"description":131,"cluster":132,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Ferregung-und-verlangen","Sind Erregung und Verlangen dasselbe? Zwei Modelle, ein Unterschied","Erregung ist eine Reaktion, Verlangen ein Bedürfnis — beide können unabhängig auftreten. Was Bassons zirkuläres Modell und das Dual-Control-Modell zeigen.","C",{"route":134,"title":135,"description":136,"cluster":132,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Ferregungsdiskordanz","Erregungsdiskordanz: Wenn der Körper reagiert, ohne dass jemand erregt sein will","Körper und Erleben fallen nicht immer zusammen — bei Frauen im Mittel seltener als bei Männern. Und eine körperliche Reaktion ist kein Zeichen von Zustimmung.",{"route":138,"title":139,"description":140,"cluster":132,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Ffetisch-vorliebe-stoerung","Fetisch, Vorliebe, Störung — wo verläuft die Grenze wirklich?","Ein Fetisch ist keine Diagnose. Was das DSM-5 zusätzlich verlangt, damit daraus eine fetischistische Störung wird — und was die ICD-11 dazu sagt.",{"route":142,"title":143,"description":144,"cluster":132,"type":35,"status":17,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fwie-begehren-entsteht","Wie entsteht ein Fetisch? Vier Erklärungsmodelle und was sie taugen","Kopplung, Übergangsobjekt, Bindung, Kulturgeschichte: Vier Modelle erklären, wie eine Vorliebe entsteht — keines davon, warum ausgerechnet dieses Objekt.",{"route":146,"title":147,"description":148,"cluster":132,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Fkonditionierung-und-grenzen","Wie Konditionierung eine sexuelle Vorliebe formen kann — und wo das Modell endet","Ein neutraler Reiz kann durch Kopplung mit Erregung selbst erregend werden, zeigte Rachmans Experiment 1966. Warum das den Einzelfall trotzdem nicht erklärt.",{"route":150,"title":151,"description":152,"cluster":132,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Fwinnicotts-uebergangsobjekt","Winnicotts Übergangsobjekt — was ein Kuscheltier mit einem Fetisch zu tun hat","Warum der Teddybär eines Kindes und ein Fetisch aus derselben Theorie stammen — und was Winnicott damit ausdrücklich nicht gemeint hat.",{"frontmatter":154,"sections":162,"html":166,"empfehlungen":167},{"title":89,"metaTitle":155,"description":90,"cluster":78,"type":9,"tuer":11,"anzeigenziel":156,"status":17,"updated":18,"citeKeys":157,"vertiefungTitel":161},"Sexuelle Skripte: Was das Konzept erklärt",false,[158,159,160],"gagnon1973","simon1986","hodsoncostello2007","Vertiefung — Herkunft der Theorie, Rezeption und ihre Grenzen",{"snippet":163,"kurzfassung":164,"vertiefung":165},"\u003Cp>Sexuelle Skripte erklären, warum Begehren sich wie eine eigene Entscheidung anfühlt und\ntrotzdem erkennbaren Mustern folgt: Kulturelle Szenarien legen gesellschaftlich fest, was als\ndenkbar und was als normal gilt, interpersonelle Skripte übersetzen das in die konkrete\nSituation, intrapsychische Skripte ordnen die eigenen Wünsche. Keine der drei Ebenen macht\nBegehren frei wählbar.\u003C\u002Fp>\n","\u003Cp>Warum gilt eine Vorliebe in einer Umgebung als selbstverständlich und in einer anderen als\nAnlass zur Scham, ohne dass sich an der Vorliebe selbst etwas ändert? Die Sexualsoziologen John\nGagnon und William Simon haben darauf 1973 eine Antwort vorgeschlagen, die bis heute trägt.\u003C\u002Fp>\n\u003Ch3>Was sind sexuelle Skripte nach Gagnon und Simon?\u003C\u002Fh3>\n\u003Cp>Die beiden verstehen sexuelles Verhalten nicht als Ausdruck eines biologischen Triebs, der sich\nlediglich seinen Weg bahnt, sondern als Ergebnis von drei ineinandergreifenden\nEbenen\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">1\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>:\u003C\u002Fp>\n\u003Cul>\n\u003Cli>\u003Cstrong>Kulturelle Szenarien\u003C\u002Fstrong> — gesellschaftlich verfügbare Drehbücher, institutionalisiert in\nRecht, Medien, Erziehung, Religion. Sie legen grob fest, wer mit wem, wann und wie.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>\u003Cstrong>Interpersonelle Skripte\u003C\u002Fstrong> — die Übersetzung dieser Vorgaben auf eine konkrete Situation\nzwischen konkreten Menschen. Hier wird improvisiert, nicht nur befolgt.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>\u003Cstrong>Intrapsychische Skripte\u003C\u002Fstrong> — die innere, oft unbewusste Ordnung von Wünschen, Fantasien und\nihrer emotionalen Bewertung.\u003C\u002Fli>\n\u003C\u002Ful>\n\u003Cp>Der Punkt dieser Dreiteilung ist, dass sie Stabilität und Wandel gleichzeitig erklären kann.\nKulturelle Szenarien ändern sich langsam; auf der interpersonellen und intrapsychischen Ebene\nwird ständig neu verhandelt, was davon für eine bestimmte Beziehung, einen bestimmten Moment\ngilt.\u003C\u002Fp>\n\u003Ch3>Warum wurde die Theorie überhaupt entwickelt?\u003C\u002Fh3>\n\u003Cp>Als Gegenentwurf. Gagnon und Simon reagierten in den frühen 1970er Jahren auf zwei damals\ndominante Erklärungsmodelle: den biologischen Determinismus, der Sexualität allein aus Trieb\nund Hormon ableitete, und die psychoanalytische Tradition, die sie aus früher kindlicher\nEntwicklung erklärte. Beiden hielten sie entgegen, dass sexuelles Verhalten in hohem Maß\ngelernt und sozial organisiert ist — nicht beliebig, aber eben auch nicht vorgegeben.\u003C\u002Fp>\n\u003Ch3>Bedeutet das, sexuelle Vorlieben sind nur anerzogen?\u003C\u002Fh3>\n\u003Cp>Nein, und das ist genau das Missverständnis, das die Theorie seit ihrer Formulierung begleitet.\nSimon und Gagnon haben 1986 selbst beschrieben, wie sich ihr eigenes Denken von einer sozialen\nLerntheorie zu einer sozialkonstruktivistischen Position weiterentwickelt\nhat\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">2\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup> — die drei Ebenen sind gerade dafür gemacht, Struktur \u003Cstrong>und\u003C\u002Fstrong>\nHandlungsspielraum gleichzeitig abzubilden. Die interpersonelle Ebene ist ausdrücklich eine\nEbene der Improvisation, nicht der bloßen Ausführung eines Drehbuchs.\u003C\u002Fp>\n\u003Cp>Die verbreitete Kurzformel, man könne sein sexuelles Skript frei wählen, ist eine spätere\nAnwendung der Theorie — bei Gagnon und Simon selbst steht sie so nicht. Wer aus dem Modell\n„alles ist beliebig konstruiert&quot; macht, hat die Ebene weggelassen, auf der die Theorie ihre\neigentliche Erklärungskraft entfaltet: die Übersetzung zwischen dem gesellschaftlich Vorgegebenen\nund dem individuell Gelebten.\u003C\u002Fp>\n\u003Ch3>Was hat das mit Scham und Normalität zu tun?\u003C\u002Fh3>\n\u003Cp>Genau hier liegt der Übergang zu einem Schamgefühl. Wenn kulturelle Szenarien festlegen, was als\nnormal gilt, dann definieren sie zugleich, was als Abweichung auffällt — und Abweichung von\neinem kulturellen Szenario ist etwas anderes als eine klinische Störung, auch wenn beides sich\ngleich anfühlen kann. Ein enger, aber realer Befund dazu: zwischenmenschliche\nEkel-Sensitivität sagt Vorurteile gegenüber Gruppen voraus, die als Verletzung traditioneller\nsexueller Moralvorstellungen wahrgenommen werden\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">3\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>. Das erklärt keine einzelne\nVerurteilung, aber es erklärt, warum die Heftigkeit einer Reaktion so oft in keinem Verhältnis\nzur Sache steht — die Reaktion richtet sich gegen die Verletzung eines kulturellen Szenarios,\nnicht notwendig gegen einen tatsächlichen Schaden. Was das für die eigene\n\u003Ca href=\"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Fscham-nach-einer-fantasie\">Scham nach einer Fantasie\u003C\u002Fa> bedeutet, ist ein\neigenes Thema.\u003C\u002Fp>\n\u003Cp>Und die \u003Ca href=\"\u002Fnormalitaet-und-scham\">Diagnosesysteme selbst\u003C\u002Fa> machen an dieser Stelle etwas\nBemerkenswertes: Sie lösen sich vom kulturellen Szenario, indem sie explizit nicht danach fragen,\nob etwas üblich ist, sondern ob es Leidensdruck oder eine nicht einwilligende Person gibt.\u003C\u002Fp>\n\u003Ch3>Wie wird das Konzept heute verwendet?\u003C\u002Fh3>\n\u003Cp>Die Skripttheorie ist seit den 1970er Jahren in der Geschlechterforschung, der\nMedienwirkungsforschung, der sexuellen Gesundheitsforschung und der Sexualtherapie breit\nrezipiert worden — als Werkzeug, um zu verstehen, wie sich Erwartungen an Sexualität wandeln,\nnicht als geschlossenes Erklärungssystem für den Einzelfall.\u003C\u002Fp>\n","\u003Cp>\u003Cstrong>Die Selbstkorrektur von 1986.\u003C\u002Fstrong> Simon und Gagnon haben ihre eigene Theorieentwicklung\nrückblickend beschrieben, statt sie als von Anfang an fertig darzustellen\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">2\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>.\nDas ist ungewöhnlich für ein Gründungswerk und einer der Gründe, warum das Modell bis heute\ntragfähig geblieben ist: Es hat seine eigene Grenze — reine Lerntheorie erklärt zu wenig\nHandlungsspielraum — selbst benannt und korrigiert.\u003C\u002Fp>\n\u003Cp>\u003Cstrong>Was diese Seite bewusst nicht behauptet.\u003C\u002Fstrong> Es gibt eine seit den 2000er Jahren geführte\nfachliche Debatte darüber, ob die Skripttheorie ihrerseits noch zu individualistisch und\nkognitivistisch gedacht ist und ob sie das biologische Substrat sexueller Motivation\nausreichend berücksichtigt. Für die konkreten Positionen dieser Debatte lag zum Zeitpunkt dieser\nSeite keine im Wortlaut geprüfte, bibliografisch abgeschlossene Notiz vor — sie werden deshalb\nhier nicht wiedergegeben, statt aus der Erinnerung zusammengefasst zu werden.\u003C\u002Fp>\n\u003Cp>\u003Cstrong>Wofür die Theorie nicht gemacht ist.\u003C\u002Fstrong> Gagnon und Simon erklären, warum sexuelles Verhalten\nMuster zeigt und wie sich diese Muster wandeln lassen. Sie erklären nicht, warum ein bestimmter\nMensch ausgerechnet dieses und kein anderes Interesse entwickelt — das ist eine Frage nach\nindividueller Entstehung, keine Frage nach kultureller Formung, und beide werden in diesem\nThemenfeld häufig verwechselt.\u003C\u002Fp>\n\u003Chr>\n\u003Cp>Wie sich das eigene Muster von Verlangen zusammensetzt, lässt sich in\nzwölf Minuten mit dem \u003Ca href=\"\u002Fselbsttest\">Selbstauskunftsbogen\u003C\u002Fa> genauer betrachten — ohne Diagnose am\nEnde. Woher die drei Linien des Verlangens stammen, die dem Bogen zugrunde liegen, steht\n\u003Ca href=\"\u002Fueber-das-buch\">im Buch\u003C\u002Fa>.\u003C\u002Fp>\n\u003Col id=\"quellen\">\n\u003Cli>Gagnon, J. H., &amp; Simon, W. (1973). \u003Cem>Sexual Conduct: The Social Sources of Human Sexuality\u003C\u002Fem>. Aldine Publishing Company, Chicago. — Einführung der drei Skriptebenen.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>Simon, W., &amp; Gagnon, J. H. (1986). Sexual Scripts: Permanence and Change. \u003Cem>Archives of Sexual Behavior\u003C\u002Fem> 15(2), S. 97–120. — S. 103 zur eigenen theoretischen Weiterentwicklung von der sozialen Lerntheorie zur sozialkonstruktivistischen Position.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>Hodson, G., &amp; Costello, K. (2007). Interpersonal Disgust, Ideological Orientations, and Dehumanization as Predictors of Intergroup Attitudes. \u003Cem>Psychological Science\u003C\u002Fem> 18(8), S. 691–698. — \u003Cstrong>eng zu lesen:\u003C\u002Fstrong> belegt allein den Zusammenhang zwischen Ekel-Sensitivität und Vorurteil, keine Aussage über einzelne Personen.\u003C\u002Fli>\n\u003C\u002Fol>","",[],1789551435560]