[{"data":1,"prerenderedAt":176},["ShallowReactive",2],{"artikel:liste":3,"content:kulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Ffoucaults-ars-erotica":153},[4,13,19,23,27,31,36,40,44,50,54,58,62,66,70,74,79,83,87,91,95,99,103,108,112,116,120,124,128,133,137,141,145,149],{"route":5,"title":6,"description":7,"cluster":8,"type":9,"status":10,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fbindungsstile\u002Fbindung-und-sexualitaet","Bindung und Sexualität: Was der Bindungsstil über Sex aussagt — und was nicht","Unsichere Bindung verändert nicht, was Menschen begehren, sondern wozu sie Sex benutzen. Was die Forschung zeigt, mit Studien und Jahreszahlen.","A","speiche","geprüft","T1","2026-08-28",{"route":14,"title":15,"description":16,"cluster":8,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile\u002Fbindung-und-sexualpraktiken","Bindungsstil und Sexualpraktiken: Was die Forschung misst — und was nicht","Bindungsangst und -vermeidung sagen etwas über sexuelle Zufriedenheit, Häufigkeit und Kommunikation. Über einzelne Praktiken sagen sie nichts.","live","2026-08-29",{"route":20,"title":21,"description":22,"cluster":8,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile\u002Fbindungsstil-aendern","Kann sich ein Bindungsstil ändern? Was die Längsschnittforschung zeigt","Bindungssicherheit ist mäßig stabil, nicht festgelegt. Was Längsschnittstudien über Alter, Therapie und die sogenannte erarbeitete Sicherheit zeigen.",{"route":24,"title":25,"description":26,"cluster":8,"type":9,"status":10,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fbindungsstile\u002Fdie-vier-bindungsstile","Die vier Bindungsstile — und warum die Forschung sie nicht als Typen führt","Sicher, ängstlich, vermeidend, ängstlich-vermeidend: woher die vier Stile kommen, wie sie gemessen werden und warum sie keine Persönlichkeitstypen sind.",{"route":28,"title":29,"description":30,"cluster":8,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile\u002Fdurchsetzungsfaehigkeit","Bindungssicherheit und Durchsetzungsfähigkeit: was belegt ist und was nicht","Ob sichere Bindung durchsetzungsfähiger macht, ist schwächer belegt, als es klingt. Was die Forschung tatsächlich misst, mit Studien und Jahreszahlen.",{"route":32,"title":33,"description":34,"cluster":8,"type":35,"status":10,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile","Bindungsstile: Was die Forschung wirklich sagt","Woher die vier Bindungsstile stammen, was Bowlby und Ainsworth tatsächlich gezeigt haben — und warum die Forschung heute von Skalen spricht statt von Typen.","pfeiler",{"route":37,"title":38,"description":39,"cluster":8,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile\u002Fsexuelle-wuensche-aeussern","Sexuelle Wünsche äußern — und warum es manchen Menschen schwerer fällt","Warum manche Menschen sexuelle Wünsche kaum aussprechen: was drei Studien zu Bindung und sexueller Kommunikation zeigen — und wo sie sich widersprechen",{"route":41,"title":42,"description":43,"cluster":8,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fbindungsstile\u002Fwas-bindungstests-leisten","Was Bindungstests leisten: Selbstauskunft und das Interview im Vergleich","Selbstauskunftstests und das Adult Attachment Interview überschneiden sich kaum. Was jedes der beiden Verfahren misst — und was daraus folgt.",{"route":45,"title":46,"description":47,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Ffoucaults-ars-erotica","Foucaults ars erotica — hält die Zuschreibung an die arabische Welt historisch stand?","Foucault zählte „arabo-moslemische Gesellschaften\" zur ars erotica – ohne Beleg. Was die arabische Liebesliteratur zeigt, und was Kritik daran einwendet.","E","T4",{"route":51,"title":52,"description":53,"cluster":48,"type":35,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet","Was im Westen ‚Tantra' heißt — und was Tantra tatsächlich war","Was hierzulande als Tantra gilt, ist eine Erfindung der 1960er Jahre. Das historische Tantra war etwas anderes — sexuelles Ritual war darin nicht die Mitte.",{"route":55,"title":56,"description":57,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Frechter-und-linker-weg","Der 'linke Weg' im Tantra — Verehrung der Frau oder ihre Instrumentalisierung?","Dakṣiṇācāra und Vāmācāra sind mehr als rechts und links. Was die Forschung zur Frauenrolle im „linken Weg\" fand – und was offenbleibt.",{"route":59,"title":60,"description":61,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":12},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Frussischer-eros","Der russische Eros — warum Russlands Sexualkultur als eigener Sonderweg gilt","Der russische Eros ist keine Volkscharakter-Eigenschaft, sondern eine Diskursgeschichte wiederholter Zyklen von Öffnung und staatlicher Kontrolle.",{"route":63,"title":64,"description":65,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Fsamenerhalt","Samenerhalt — die taoistische Lehre und was von ihr trägt","Die taoistische Lehre vom Samenerhalt trennt Orgasmus und Samenerguss – real. Ihre Heilsversprechen wie Langlebigkeit sind es nicht. Was belegt ist.",{"route":67,"title":68,"description":69,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Ftaoistische-kunst-der-schlafgemaecher","Die Kunst der Schlafgemächer — was fangzhong shu wirklich war","Fangzhong shu galt als „chinesisches Kamasutra\". Tatsächlich war es eine Gesundheitslehre, die Sex der Kultivierung unterordnete, nicht dem Genuss.",{"route":71,"title":72,"description":73,"cluster":48,"type":9,"status":17,"tuer":49,"updated":18},"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Fvan-gulik","Robert van Gulik — wie das Wissen über Chinas Sexualkultur in den Westen kam","Ein niederländischer Diplomat schrieb 1961 das erste westliche Standardwerk zur Sexualgeschichte Chinas – und prägte damit auch Foucaults „ars erotica\".",{"route":75,"title":76,"description":77,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Fasexualitaet","Asexualität: Was sie ist – und was sie nicht ist","Asexualität heißt fehlende sexuelle Anziehung, nicht fehlendes Verlangen. Was das Ace-Spektrum umfasst und warum es keine Diagnose ist.","F",{"route":80,"title":81,"description":82,"cluster":78,"type":35,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham","Wann ist eine sexuelle Vorliebe ein Problem? Die Antwort der Diagnosesysteme","Nicht der Inhalt einer Vorliebe entscheidet darüber, ob sie klinisch bedeutsam ist, sondern zwei andere Kriterien. Was DSM-5 und ICD-11 tatsächlich verlangen.",{"route":84,"title":85,"description":86,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Fscham-nach-einer-fantasie","Scham nach einer sexuellen Fantasie: Was sie bedeutet – und was nicht","Eine beunruhigende Fantasie erfüllt für sich kein Diagnosekriterium. Was sexuelle Scham danach auslöst – und woher sie kommt.",{"route":88,"title":89,"description":90,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Fsexuelle-skripte","Sexuelle Skripte: Warum Begehren einem Muster folgt","Gagnon und Simon erklärten sexuelles Verhalten 1973 über drei Ebenen erlernter Skripte – nicht als biologischen Trieb. Was das Modell trägt.",{"route":92,"title":93,"description":94,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Ftrauma-und-sexualitaet","Trauma und Sexualität: Was die Forschung zeigt – und wo sie unsicher bleibt","Große Stichproben finden keinen generellen Zusammenhang zwischen Kindheitstrauma und bestimmten sexuellen Vorlieben. Was einzelne Studien trotzdem zeigen.",{"route":96,"title":97,"description":98,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Funterdrueckung-schadet","Schadet Unterdrückung häufiger als die Vorliebe selbst?","Verstecken und Selbststigma hängen mit mehr Angst und Depression zusammen als die Vorliebe selbst. Was das Minoritätenstress-Modell zeigt.",{"route":100,"title":101,"description":102,"cluster":78,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fnormalitaet-und-scham\u002Fvorliebe-und-stoerung","Vorliebe oder Störung? Was die Diagnosekriterien im Einzelnen verlangen","Kriterium B ist nur die halbe Antwort. DSM-5 und die ICD-11-Arbeitsgruppe ordnen sexuelle Vorlieben nach zwei verschiedenen Logiken.",{"route":104,"title":105,"description":106,"cluster":107,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fschattenarbeit\u002Ffreuds-trieblehre-heute","Freuds Trieblehre heute — was von den Drei Abhandlungen trägt","Das Stufenmodell oral–anal–phallisch stammt nicht aus 1905. Wie Freuds Theorie über zwanzig Jahre gewachsen ist — und was davon heute noch Bestand hat.","B",{"route":109,"title":110,"description":111,"cluster":107,"type":35,"status":17,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fschattenarbeit","Schattenarbeit: was C. G. Jung wirklich gemeint hat","Der Schatten ist bei Jung nicht die dunkle Seite und nicht das Böse, sondern etwas deutlich Unbequemeres. Was im Original steht — und was die Belege hergeben.",{"route":113,"title":114,"description":115,"cluster":107,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fschattenarbeit\u002Findividuation","Individuation bei C. G. Jung — was der Begriff bedeutet und was nicht","Individuation ist bei Jung ein lebenslanger Prozess, kein Zustand und keine Selbstverwirklichung. Was der Begriff meint — und wo die Belege enden.",{"route":117,"title":118,"description":119,"cluster":107,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fschattenarbeit\u002Fschattenarbeit-im-netz","Schattenarbeit im Netz — was das Wort dort bedeutet und was nicht","Journaling-Listen, 30-Tage-Programme: Was online Schattenarbeit heißt, teilt mit Jung oft nur den Namen. Was trotzdem helfen kann — und was unbelegt ist.",{"route":121,"title":122,"description":123,"status":10,"updated":12},"\u002Fseiten\u002Finhaltsverzeichnis","Inhalt","Vier Teile, zwölf Kapitel: die Gliederung von „Der Schatten des Begehrens\".",{"route":125,"title":126,"description":127,"status":10,"updated":12},"\u002Fseiten\u002Fueber-das-buch","Über das Buch","Entstehung, Quellenarbeit und Haltung hinter „Der Schatten des Begehrens\" — ein narratives Sachbuch über Tiefenpsychologie, Kulturgeschichte und Sexualität.",{"route":129,"title":130,"description":131,"cluster":132,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Ferregung-und-verlangen","Sind Erregung und Verlangen dasselbe? Zwei Modelle, ein Unterschied","Erregung ist eine Reaktion, Verlangen ein Bedürfnis — beide können unabhängig auftreten. Was Bassons zirkuläres Modell und das Dual-Control-Modell zeigen.","C",{"route":134,"title":135,"description":136,"cluster":132,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Ferregungsdiskordanz","Erregungsdiskordanz: Wenn der Körper reagiert, ohne dass jemand erregt sein will","Körper und Erleben fallen nicht immer zusammen — bei Frauen im Mittel seltener als bei Männern. Und eine körperliche Reaktion ist kein Zeichen von Zustimmung.",{"route":138,"title":139,"description":140,"cluster":132,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Ffetisch-vorliebe-stoerung","Fetisch, Vorliebe, Störung — wo verläuft die Grenze wirklich?","Ein Fetisch ist keine Diagnose. Was das DSM-5 zusätzlich verlangt, damit daraus eine fetischistische Störung wird — und was die ICD-11 dazu sagt.",{"route":142,"title":143,"description":144,"cluster":132,"type":35,"status":17,"tuer":11,"updated":12},"\u002Fwie-begehren-entsteht","Wie entsteht ein Fetisch? Vier Erklärungsmodelle und was sie taugen","Kopplung, Übergangsobjekt, Bindung, Kulturgeschichte: Vier Modelle erklären, wie eine Vorliebe entsteht — keines davon, warum ausgerechnet dieses Objekt.",{"route":146,"title":147,"description":148,"cluster":132,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Fkonditionierung-und-grenzen","Wie Konditionierung eine sexuelle Vorliebe formen kann — und wo das Modell endet","Ein neutraler Reiz kann durch Kopplung mit Erregung selbst erregend werden, zeigte Rachmans Experiment 1966. Warum das den Einzelfall trotzdem nicht erklärt.",{"route":150,"title":151,"description":152,"cluster":132,"type":9,"status":17,"tuer":11,"updated":18},"\u002Fwie-begehren-entsteht\u002Fwinnicotts-uebergangsobjekt","Winnicotts Übergangsobjekt — was ein Kuscheltier mit einem Fetisch zu tun hat","Warum der Teddybär eines Kindes und ein Fetisch aus derselben Theorie stammen — und was Winnicott damit ausdrücklich nicht gemeint hat.",{"frontmatter":154,"sections":170,"html":174,"empfehlungen":175},{"title":46,"metaTitle":155,"description":47,"cluster":48,"type":9,"tuer":49,"anzeigenziel":156,"status":17,"updated":18,"citeKeys":157,"vertiefungTitel":169},"Foucaults ars erotica: Befund oder Behauptung?",false,[158,159,160,161,162,163,164,165,166,167,168],"foucault1977","rocha2011","shusterman2021","mernissi1987","ibnhazm1953","alnafzawi1999","kennedy2005","bauer2014","said1978","massad2007","elrouayheb2005","Vertiefung — Textbestand, Zensurgeschichte und die Grenzen des Vergleichs",{"snippet":171,"kurzfassung":172,"vertiefung":173},"\u003Cp>Nur teilweise. Michel Foucault zählte 1976 „China, Japan, Indien, Rom und die arabo-moslemischen\nGesellschaften&quot; zur „ars erotica&quot; — ohne dafür eigene Quellen zu nennen. Die arabische\nLiebesliteratur belegt tatsächlich einen anderen Umgang mit Sexualität als der westliche\nBeichtdiskurs. Dass Foucaults Kategorie diesen Befund trägt, ist damit aber nicht automatisch\ngezeigt — postkoloniale Kritik hält seine Zuschreibung für unhistorisch.\u003C\u002Fp>\n","\u003Cp>Ein Satz aus einem einzigen Absatz eines einzigen Buches wird bis heute zitiert, als wäre er das\nErgebnis jahrelanger Quellenarbeit. Er war es nicht — und genau das lohnt sich nachzuvollziehen.\u003C\u002Fp>\n\u003Ch3>Was genau hat Foucault behauptet?\u003C\u002Fh3>\n\u003Cp>In „Der Wille zum Wissen&quot; unterscheidet Michel Foucault zwei Arten, wie Kulturen Wahrheit über\nSexualität hervorbringen: die „ars erotica&quot;, in der die Wahrheit aus der Lust selbst gezogen\nwird, und die „scientia sexualis&quot; des Westens, die auf Geständnis, Selbstprüfung und Deutung\nberuht. Zu den Kulturen mit einer „ars erotica&quot; zählt er in einem einzigen Satz „China, Japan,\nIndien, Rom und die arabo-moslemischen Gesellschaften&quot;\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">1\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>.\u003C\u002Fp>\n\u003Cp>Entscheidend ist, was in diesem Satz fehlt: ein eigener Beleg. Foucault nennt die arabische Welt\nim Vorbeigehen, ohne einen eigenen Quellenapparat dazu vorzulegen — anders als bei seiner\nBehandlung der westlichen Geständniskultur, die er über weite Strecken des Buches historisch\nherleitet. Eine peer-reviewte Untersuchung von 2011 zeigt zudem, dass Foucault seine eigene\nUnterscheidung wenige Seiten später bereits wieder relativiert\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">2\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup> — die\nscharfe Zweiteilung, die im Netz oft als sein festes System zitiert wird, war ihm selbst nicht so\nwichtig, wie ihre Popularität suggeriert.\u003C\u002Fp>\n\u003Ch3>Wie ist Foucault überhaupt zu diesem Chinabild gekommen?\u003C\u002Fh3>\n\u003Cp>Über einen Umweg, den die Forschung inzwischen nachgezeichnet hat. Foucaults Vorstellung von\nChina als „ars-erotica&quot;-Gesellschaft wurde maßgeblich durch die Darstellung eines westlichen\nSinologen geprägt\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">2\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup> — wie genau, zeigt die \u003Ca href=\"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\u002Fvan-gulik\">Seite zu Robert van\nGuliks Rolle\u003C\u002Fa>. Für die arabische Welt existiert\nkein vergleichbarer Umweg, den man nachzeichnen könnte: Foucaults Aussage dazu bleibt eine\nunbelegte Setzung, ohne erkennbare eigene Quelle im Hintergrund.\u003C\u002Fp>\n\u003Ch3>Hat später jemand Foucaults Zuschreibung an die arabische Welt konkretisiert?\u003C\u002Fh3>\n\u003Cp>Ja, aber mit einer wichtigen Einschränkung. Der Philosoph Richard Shusterman widmet der\nislamischen Kultur in seinem Buch „Ars Erotica&quot; (2021) ein eigenes Kapitel — „Fragrance, Veils,\nand Violence: Ars Erotica in Islamic Culture&quot; — und untersucht, wie islamische Erotik Poesie,\nDuft, Tanz und Gewalt miteinander verbindet\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">3\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>. Das ist die bislang\ngründlichste Ausarbeitung von Foucaults knapper Zuschreibung. Shusterman ist jedoch Philosoph,\nkein Historiker der arabischen Welt: Seine Darstellung ist eine philosophische Rekonstruktion,\nkeine eigenständige historische Primärforschung an arabischen Quellen.\u003C\u002Fp>\n\u003Ch3>Was zeigt die arabische Literatur selbst über den Umgang mit Sexualität?\u003C\u002Fh3>\n\u003Cp>Hier wird der Boden fester, weil hier tatsächliche Primärwerke vorliegen. Die klassische\narabische Tradition kennt eine reiche, offen sinnliche Liebesliteratur. Ibn Hazms „Der Ring der\nTaube&quot; (um 1022) ist eine der zentralen theoretischen Abhandlungen über Liebe in dieser\nTradition und behandelt in dreißig Kapiteln sowohl heterosexuelle als auch homoerotische\nZuneigung\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">4\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>. Al-Nafzawis „Der duftende Garten&quot; (15. Jahrhundert) beschreibt\nsexuelle Praktiken und Körperlichkeit unverhohlen als Teil eines Lebenswissens, nicht als\nSündenkatalog\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">5\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>. Und Abu Nuwas (756–814) gilt als der bedeutendste\nhomoerotische Dichter der klassischen arabischen Tradition\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">6\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>; die\nhomoerotische Dichtung, für die er steht, florierte fast ein Jahrtausend lang, bevor sie in der\nMitte des 19. Jahrhunderts fast vollständig aus dem literarischen Kanon\nverschwand\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">7\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>.\u003C\u002Fp>\n\u003Cp>Diese drei Werke belegen etwas Reales: einen historischen Umgang mit Sexualität, der nicht auf\nGeständnis und klinische Deutung ausgerichtet war. Sie belegen damit aber noch nicht, dass\nFoucaults Gegenbegriff „ars erotica&quot; — mit seiner spezifischen Vorstellung von Lust als\nWahrheitsquelle, wie er sie an chinesischen und indischen Beispielen entwickelt — die treffende\nKategorie für diese Literatur ist. Das ist ein Unterschied, der in populären Darstellungen fast\nimmer verschwimmt.\u003C\u002Fp>\n\u003Ch3>Was wendet die postkoloniale Kritik gegen die ganze Vergleichslogik ein?\u003C\u002Fh3>\n\u003Cp>Der wichtigste Einwand richtet sich nicht gegen einzelne Fakten, sondern gegen die Kategorien\nselbst. Edward Saids „Orientalismus&quot; beschreibt, wie der Westen „den Orient&quot; — einschließlich\nseiner Sexualität — als exotisches Anderes konstruiert hat, das seinen Sinn erst im Kontrast zum\nEigenen gewinnt\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">8\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>. Joseph Massad radikalisiert diesen Einwand für die\nKategorie „Homosexualität&quot;: Er zeigt, wie westliche Sexualitätskategorien im Kolonialkontext auf\ndie arabische Welt übertragen wurden und lokale Konzepte überformten — und wie ein von ihm so\ngenannter „Gay International&quot; retrospektiv eine „Unterdrückung&quot; konstruiert, die er dann\nanprangert\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">9\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>.\u003C\u002Fp>\n\u003Cp>Khaled El-Rouayheb liefert dazu die historische Gegenprobe: Vor 1800 kannte die arabisch-\nislamische Welt die Kategorie „Homosexualität&quot; schlicht nicht. Wichtig waren andere\nUnterscheidungen — zwischen aktiver und passiver Rolle, zwischen leidenschaftlicher Zuneigung und\nkörperlicher Lust, zwischen penetrierendem und nicht-penetrierendem Akt\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">10\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>.\nGenau dieselbe Vorsicht, die Massad und El-Rouayheb gegenüber der Kategorie „Homosexualität&quot;\neinfordern, lässt sich auf Foucaults Kategorie „ars erotica&quot; selbst anwenden: Auch sie ist eine\nwestliche Erfindung, die einer fremden Kultur übergestülpt wird, um eine Kontrastfolie für den\nWesten zu liefern.\u003C\u002Fp>\n","\u003Cp>\u003Cstrong>Die Zensurgeschichte als eigenständiger Befund.\u003C\u002Fstrong> Dass die klassische arabische Erotik- und\nLiebesliteratur überhaupt einer nachträglichen Zensur zum Opfer fiel, ist selbst aufschlussreich.\nEine literaturgeschichtliche Untersuchung von 2014 verfolgt die homoerotische arabische Dichtung\nvom sechsten Jahrhundert bis zum neunzehnten und zeigt, dass sie über fast ein Jahrtausend\nflorierte, bevor sie in der Mitte des 19. Jahrhunderts fast vollständig aus dem literarischen\nKanon verschwand\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">7\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup> — ein Rückgang, der zeitlich mit der zunehmenden\nKolonialpräsenz und dem Import westlicher Sittlichkeitsvorstellungen zusammenfällt, wie Massad\nund El-Rouayheb ihn beschreiben. Der Verlust dieser Literatur ist damit selbst ein Datenpunkt für\ndie postkoloniale These, nicht nur ein bedauerlicher Nebenumstand.\u003C\u002Fp>\n\u003Cp>\u003Cstrong>Fitna: ein Gegenbeispiel zur einfachen Erotik-Feier.\u003C\u002Fstrong> Wer aus der reichen Liebesliteratur den\nSchluss zieht, die arabisch-islamische Kultur habe weibliche Sexualität durchgehend positiv\ngerahmt, übersieht die andere Seite. Fatima Mernissi beschreibt mit dem Begriff „fitna&quot; ein\nzentrales Konzept, in dem weibliche Sexualität als chaosstiftende, ambivalente Macht gilt, die\nkontrolliert werden muss, um die soziale Ordnung zu schützen\u003Csup>\u003Ca href=\"#quellen\">11\u003C\u002Fa>\u003C\u002Fsup>. Das legt\nnahe, dass es „die&quot; arabisch-islamische Haltung zur Sexualität nicht gab — sondern mehrere,\ngleichzeitig bestehende und einander widersprechende Diskurse, was jede pauschale Einordnung\nals „ars erotica&quot; zusätzlich erschwert.\u003C\u002Fp>\n\u003Cp>\u003Cstrong>Was in diesem Projekt ausdrücklich offenbleibt.\u003C\u002Fstrong> Für keine der drei zentralen Primärquellen —\nIbn Hazm, al-Nafzawi, Abu Nuwas — liegt in diesem Projekt eine Volltextprüfung mit konkreten\nSeitenangaben für wörtliche Zitate vor; die Aussagen stützen sich auf bibliografisch verifizierte\nWerke und ihre wissenschaftliche Sekundärliteratur. Ebenso offen bleibt, ob und wie sich Mernissis\nFitna-Konzept exakt mit Foucaults ars-erotica-Kategorie in Beziehung setzen lässt — beide Autoren\nbeziehen sich nicht aufeinander, und eine Verbindung zwischen ihnen wäre eine Deutung dieses\nProjekts, keine in der Literatur vorgefundene These.\u003C\u002Fp>\n\u003Chr>\n\u003Cp>Wie sich diese Frage zur größeren Kulturgeschichte des Buches verhält, zeigt der \u003Ca href=\"\u002Fkulturgeschichte-der-sexualitaet\">Pfeiler dieser\nKulturgeschichte\u003C\u002Fa> und das \u003Ca href=\"\u002F\">Inhaltsverzeichnis auf der\nStartseite\u003C\u002Fa>; Hintergrund zur Quellenarbeit des Projekts insgesamt gibt die \u003Ca href=\"\u002Fueber-das-buch\">Seite über das\nBuch\u003C\u002Fa>.\u003C\u002Fp>\n\u003Col id=\"quellen\">\n\u003Cli>Foucault, M. (1977). \u003Cem>Sexualität und Wahrheit, Band 1: Der Wille zum Wissen.\u003C\u002Fem> Suhrkamp, Frankfurt am Main (übers. U. Raulff &amp; W. Seitter; frz. Original 1976). Kap. „Scientia sexualis\"; engl. Standardübersetzung S. 57. \u003Cstrong>Vorbehalt:\u003C\u002Fstrong> Foucault belegt diese Zuschreibung selbst nicht — eine Nennung im Vorbeigehen ohne eigenen Quellenapparat zur arabischen Welt.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>Rocha, L. A. (2011). Scientia sexualis versus ars erotica: Foucault, van Gulik, Needham. \u003Cem>Studies in History and Philosophy of Biological and Biomedical Sciences\u003C\u002Fem> 42(3), S. 328–343. — van Guliks Prägung von Foucaults Chinabild; Foucaults eigene Relativierung der Unterscheidung fünfzehn Seiten später.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>Shusterman, R. (2021). \u003Cem>Ars Erotica: Sex and Somaesthetics in the Classical Arts of Love.\u003C\u002Fem> Cambridge University Press, Kap. 6 „Fragrance, Veils, and Violence: Ars Erotica in Islamic Culture\". \u003Cstrong>Vorbehalt:\u003C\u002Fstrong> philosophische Rekonstruktion, keine eigenständige historische Primärforschung; Existenz und thematische Ausrichtung des Kapitels bibliografisch bestätigt, Volltext nicht durchgesehen.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>Ibn Hazm (1953). \u003Cem>The Ring of the Dove: A Treatise on the Art and Practice of Arab Love.\u003C\u002Fem> Übers. A. J. Arberry. Luzac Oriental, London (Original um 1022).\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>Al-Nafzawi, M. (1999). \u003Cem>The Perfumed Garden of Sensual Delight.\u003C\u002Fem> Übers. J. Colville. Kegan Paul International, London. \u003Cstrong>Hinweis:\u003C\u002Fstrong> bewusst die wissenschaftliche Colville-Übersetzung, nicht die verfälschende Burton-Fassung.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>Kennedy, P. F. (2005). \u003Cem>Abu Nuwas: A Genius of Poetry.\u003C\u002Fem> Oneworld Publications, Oxford. — Abu Nuwas als bedeutendster homoerotischer Dichter der klassischen arabischen Tradition. \u003Cstrong>Hinweis:\u003C\u002Fstrong> belegt die Stellung des Dichters, nicht die Datierung des späteren Verschwindens dieser Dichtung — dafür siehe Anmerkung 7.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>Bauer, T. (2014). Male-Male Love in Classical Arabic Poetry. In: E. L. McCallum &amp; M. Tuhkanen (Hrsg.), \u003Cem>The Cambridge History of Gay and Lesbian Literature.\u003C\u002Fem> Cambridge University Press, S. 107–124. — die homoerotische arabische Dichtung vom 6. bis zum 19. Jahrhundert: fast ein Jahrtausend Blüte, dann Verschwinden aus dem Kanon Mitte des 19. Jahrhunderts.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>Said, E. W. (1978). \u003Cem>Orientalism.\u003C\u002Fem> Pantheon Books, New York.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>Massad, J. A. (2007). \u003Cem>Desiring Arabs.\u003C\u002Fem> University of Chicago Press, Chicago.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>El-Rouayheb, K. (2005). \u003Cem>Before Homosexuality in the Arab-Islamic World, 1500–1800.\u003C\u002Fem> University of Chicago Press, Chicago.\u003C\u002Fli>\n\u003Cli>Mernissi, F. (1987). \u003Cem>Beyond the Veil: Male-Female Dynamics in Modern Muslim Society\u003C\u002Fem>, revidierte Aufl. Indiana University Press, Bloomington. \u003Cstrong>Vorbehalt:\u003C\u002Fstrong> Konzept bibliografisch und über die Verlagsdarstellung gesichert; wörtliche Zitate mit Seitenangabe wurden nicht am Volltext geprüft.\u003C\u002Fli>\n\u003C\u002Fol>","",[],1789551435325]